"Wenn das Leben aus den Fugen gerät"
- Wo finde ich Hilfe in einer Notsituation?

Mittwoch, 13. Juli 2011, 20.00 Uhr,  Oberlinhaus in Dietlingen, Turnstr. 32


„So Gott will und wir noch leben“: Mit dieser Redewendung wurden früher oft Briefe beendet. In unserem heutigen Alltag sind Notfälle meist nicht vorgesehen. Darauf wies Herr Pfr. Wacker in seiner Einführung zur Veranstaltung des Kelterner Forums am Mittwoch, den 13. Juli, in Dietlingen hin. Aber was tun, wenn es plötzlich doch anders als erwartet kommt? Gut zu wissen, dass es Einrichtungen gibt, die in Not- und Krisensituationen erreichbar sind und ihre Hilfe anbieten. Der Arbeitskreis Leben (AKL), der Notfallnachsorgedienst (NND) sowie die Notfallseelsorge, die Telefonseelsorge (TS) und auch die Klinikseelsorge(KS) sind einige davon, welche an diesem Abend vorgestellt wurden.

Frau Ute Fiedrich, Geschäftsstellenleiterin des AKL berichtet: Alle 56 Minuten nimmt sich in Deutschland ein Mensch das Leben, das sind 11.000 -12.000 Menschen - mehr Tote als durch Verkehrsunfälle. Alle sechs Minuten versucht es jemand. Der AKL hat es sich zur Aufgabe gemacht, sowohl Menschen in einer akuten Krise und bei Selbsttötungsgefahr schnelle und unbürokratische Hilfe niederschwellig anzubieten, als auch Angehörigen, Freunden oder Hinterbliebenen Gehör zu schenken. Den Betroffenen wird kurzfristig ein therapeutisches Erstgespräch angeboten und sie können professionell begleitet werden, bis ein geeigneter Therapieplatz bei einem Arzt, Psychotherapeuten oder in einer Klinik gefunden wird. Das setzt eine gute Vernetzung mit diesen Stellen voraus. Neben der Krisenintervention bietet der AKL beratende Gespräche, eine oft längerfristige Begleitung durch gut geschulte Ehrenamtliche sowie Gruppen für Betroffene, Angehörige und Trauernde an. Um das Thema „Suizid“ u.a. auch in der Öffentlichkeit zu enttabuisieren, wird ein weiterer Schwerpunkt auf Aufklärung und Prävention gelegt. Der AKL bietet Beziehung an, keine schnellen Lösungen. Hilfe Suchende sollen Geborgenheit erfahren und ihre Selbsthilfekräfte neu entdecken. So handeln die Mitarbeitende des AKL gemäß ihrer Leitsätze: “Darüber reden kann Leben retten“ und „Vieles kann der Mensch entbehren, nur den Menschen nicht.“ Hilfe Suchende, potentielle ehrenamtliche Mitarbeitende oder auch Menschen, die den AKL finanziell unterstützen wollen, finden weitere Informationen unter www.ak-leben.de oder telefonisch: 07231 / 8000878.

„Psychosoziale Notfallversorgung“, das leisten sowohl der Notfallnachsorgedienst als auch die Notfallseelsorge. Doch was ist darunter zu verstehen? Eindrucksvoll berichtet Frau Gudrun Augenstein von ihrer Arbeit beim NND:

Wenn das Unerwartete geschieht und Menschen eine traumatische Situation zu bewältigen haben, z. B. einen plötzlichen Todesfall im häuslichen Umfeld, einen Brand oder einen Verkehrsunfall, dann wird die Leitstelle des NND von der Polizei, der Feuerwehr oder dem Rettungsdienst verständigt, die wiederum zwei ihrer ehrenamtlich Mitarbeitenden zum Einsatzort entsenden. Deren Aufgabe ist es vor Ort, mit den Betroffenen, Angehörigen oder auch den Helfenden in dieser Katastrophe in der Akutphase die Menschen „seelisch aufzufangen“. In einem zweiten Schritt geht es dann darum, nach Netzwerken, Freunden, Nachbarn, Verwandten zu schauen, die aktiviert werden könnten. Doch das kann in der heutigen Gesellschaft mit zunehmender Isolation des Einzelnen mitunter sehr lange dauern, und so brauchen die Notfallbegleiter vor allem eines, was sie in ihren Einsatz mitbringen müssen: Zeit! Zeit, die die Betroffenen benötigen, um z.B. Abschied nehmen zu können und/oder selbst wieder auf die Beine zu kommen.Es versteht sich von selbst, dass die ehrenamtlich Mitarbeitenden des NND gründlich auf ihre Aufgabe vorbereitet werden, sich mit ihrer eigenen Endlichkeit und ihrem Umgang mit Krisen beschäftigen, aber auch das nötige Know-how für die unterschiedlichsten Einsatzmöglichkeiten erhalten. Wenn Sie weitere Fragen zum NND haben, rufen Sie an oder schauen Sie im Internet nach: Telefon: 07231/3737; www.drk-pforzheim.de

08001110111 oder 08001110222 - TelefonSeelsorge - www.telefonseelsorge.de.

"Zuhören Verstehen Klären", das ist das Motto, das sich die Telefonseelsorge Nordschwarzwald gegeben hat. Die TS versteht sich als ein niederschwelliges und kostenfreies Angebot für alle Menschen, die ein ernsthaftes Anliegen haben und ein Gespräch suchen. Ein Gespräch von Mensch zu Mensch, denn auch hier sind es, wie Herr Walter Kuchta ausführt, ehrenamtlich Mitarbeitende, die sich rund um die Uhr als vertrauliche und anonyme Gesprächspartner zur Verfügung stellen. Begegnung kann stattfinden, indem zur Sprache kommt und Gehör findet, was das alltägliche Leben so alles bereit hält: Einsamkeit, Beziehungsprobleme und Krankheiten aller Art, momentane Belastungssituationen, Arbeitslosigkeit, finanzielle Not, Wohnverhältnisse u.v.m. In diesen Gesprächen geht es nicht um schnelle Lösungen, vielmehr „bleibt der Zuhörende einen Schritt hinter dem Anrufer zurück“, um diesem Mut zu machen, seine eigenen Lösungsansätze aufzuspüren und ihnen nachzugehen. Wie beim AKL und NND so auch bei der TS werden die ehrenamtlich Mitarbeitenden über ein Jahr lang intensiv auf ihre schwierige, aber auch, wie immer wieder betont wird, für sie selbst sehr bereichernde Aufgabe, vorbereitet. Diese im wahrsten Sinne des Wortes notwendige Aufgabe am Telefon, aber auch im Internet als Mail- und Chatberatung, wird ermöglicht durch die ökumenische Zusammenarbeit der evangelischen und katholischen Kirchen sowie die Unterstützung der Deutschen Telekom. Getragen aber wird die TS „von zahlreichen ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, die zuhören, verstehen und helfen Dinge zu klären.“ Bei Interesse rufen Sie an unter 07231/102822 oder informieren Sie sich unter www.telefonseelsorge-nordschwarzwald.de

Wie komme ich zu einem seelsorgerlichen Gespräch, wenn ich im Krankenhaus liege?

Diese Frage beantwortete Herr Pfr. Wettach, der viele Jahre als Klinikseelsorger tätig war. Er betont, wie wichtig der Besuch bei kranken Menschen ist und als wertvoller Schatz in Gemeinden angesehen werden kann. Der Besuch von kranken Menschen wurde von Anfang an auch von den Kirchen als seelsorgerliche Aufgabe erkannt und so sei es nur konsequent, dafür spezielle Seelsorger professionell auszubilden. Angenommen, Sie werden in ein Krankenhaus eingewiesen, die Aufnahme, Untersuchungen erfolgen und Sie wünschen ein Gespräch mit dem/der SeelsorgerIn. Dann können Sie den Kontakt über die Klinikmitarbeitenden herstellen, diese werden den/die SeelsorgerIn verständigen. Er oder sie wird zu Ihnen kommen oder Sie können das Dienstzimmer oder auch die Gottesdienste aufsuchen. Auch hier geht es darum, alles, was einem auf dem Herzen liegt, in einem geschützten Rahmen ansprechen zu können. Dieses Angebot gilt auch für Angehörige; auch sie können sich Tag und Nacht an den Seelsorger, die Seelsorgerin wenden, diese sind jeder Zeit erreichbar. Auch im Todesfalle, wenn es gilt, Abschied zu nehmen, wird der/die SeelsorgerIn bei Wunsch begleiten und helfen, die nächsten Schritte zu gehen.

Im anschließenden Gespräch zwischen den Referenten und den Teilnehmenden des Kelterner Forums wurde deutlich, welch sensibler Bereich bei seelsorgerlichen Gesprächen und Begleitungen beschritten wird. Es bedarf des Mutes der sich in einer Notlage befindlichen Menschen, sich den ihnen meist fremden Menschen anzuvertrauen, auch wenn diese allesamt unter Schweigepflicht stehen. Und es bedarf einer großen Bereitschaft und intensiven Schulung sowohl der ehrenamtlichen als auch der hauptamtlichen BegleiterInnen und SeelsorgerInnen, um den Betroffenen wirklich hilfreich zur Seite stehen zu können.

Der Arbeitskreis Leben, der Notfallnachsorgedienst und die Telefonseelsorge sind sowohl auf Spenden als auch auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. Informieren Sie sich!

Referenten und Organisatoren Runder Tisch
ReferentInnen und BesucherInnen BesucherInnen
Zum Dank ein einheimischer Wein für die ReferentInnen ReferentInnen


"Wenn das Leben aus den Fugen gerät"

- Wo finde ich Hilfe in einer Notsituation?

Mittwoch, 13. Juli 2011, 20.00 Uhr,  Oberlinhaus in Dietlingen, Turnstr. 32


Podium:

Gudrun Augenstein
Notfallnachsorgedienst / Notfallseelsorge

Walter Kuchta
Telefonseelsorge Nordschwarzwald

Reinhard Wettach, Pfr. i.R.
ehem. Klinikseelsorger

Ute Fiedrich
Arbeitskreis Leben (AKL) Pforzheim / Enzkreis


Ein plötzlich eintretender Notfall kann schlagartig unser Leben verändern: Sei es ein Unfall, in den wir hineingezogen werden, eine schwere Erkrankung oder eine psychische Krise. In schwierigen Situationen benötigen wir Hilfe, Trost, Anteilnahme, Zuhörer.

Es gibt Menschen, die sich von Berufs wegen oder ehrenamtlich engagieren, um Betroffenen beizustehen. Das Kelterner Forum möchte einige dieser Institutionen vorstellen, die alle eines gemeinsam haben: Die „Sorge“ um die Mitmenschen.

Der Notfallnachsorgedienst ist eine Gruppe speziell ausgebildeter Helferinnen und Helfer, die ehrenamtlich seelisch betroffene Menschen in akuten Krisensituationen unterstützen. Gemeinsam mit der Notfallseelsorge der Kirchen betreuen sie z.B. Beteiligte und Einsatzkräfte bei und nach Verkehrsunfällen, Katastrophen und Bränden. Die TelefonSeelsorge ist ein ökumenisch getragenes Angebot der christlichen Kirchen in der Region Nordschwarzwald. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen sind rund um die Uhr, auch an Sonn- und Feiertagen, für jeden erreichbar, der sich in einer schwierigen Lebenssituation befindet und ein Gespräch sucht. Die Mitarbeiter/innen der Klinikseelsorge besuchen Patienten in den Krankenhäusern, bieten ihnen Gespräche und Beratung an und begleiten sie bei der Bewältigung ihrer Krankheit. Zu den Aufgaben gehören auch die Begleitung von Sterbenden und deren Angehörigen, die Gestaltung von Abschieden und liturgisches Handeln. Der Arbeitskreis Leben (AKL) bietet Hilfe in Lebenskrisen und bei Selbsttötungsgefahr. Der AKL ist Ansprechpartner für Menschen, die nicht mehr leben wollen, aber auch für diejenigen, die jemanden kennen, der Suizidgedanken äußert oder in Suizidgefahr zu sein scheint. Der AKL und seine freiwilligen KrisenbegleiterInnen stehen auch denen bei, die jemanden, der ihnen nahestand, durch Suizid verloren haben.

Wir laden Sie ein, sich über diese Organisationen zu informieren und mit Vertreterinnen und Vertretern ins Gespräch zu kommen. Vielleicht tragen Sie sich ja auch mit dem Gedanken, sich in einer dieser Einrichtungen zu engagieren.


Links:

Notfallnachsorgedienst Pforzheim

Notfallseelsorge Baden Württemberg

NFS-NND Arbeitsgemeinschaft Enzkreis und Pforzheim

TelefonSeelsorge Nordschwarzwald

Arbeitskreis Leben Pforzheim-Enzkreis e.V.