Kirche(n) in Keltern
- Die Gemeinden der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Keltern stellen sich vor

Mittwoch, 02. Juli 2014, 20.00 Uhr, Katholisches Gemeindehaus Dietlingen, Bachstr. 8


Bericht vom Abend

Im sehr gut besuchten Katholischen Gemeindehaus gaben Vertreter/In Informationen zur Historie und zur Gegenwart ihrer jeweiligen Konfession.

So führte die Dietlinger Pfarrerin Martina Lieb im Blick auf die Historie aus, dass für die Gemeinden der Badischen Landeskirche drei Grundlinien wegweisend sind: die Reformation, die Bewegung des Pietismus und die Unierte Kirche des lutherischen und reformierten Bekenntnisses. In der Gegenwart war für die Gemeinde Ellmendingen-Dietenhausen-Weiler das Zusammenwachsen der zwei eigenständigen Gemeinden prägend. Ziel ist die Entwicklung von der pfarrerzentrierten Gemeinde hin zu einer Gemeinde eines „allgemeinen Priestertums“. Wichtig ist auch eine geistlich ausgerichtete Jugendarbeit, z.B. im CVJM. Bei der letzten Visitation wurden vor allem folgende Ziele festgelegt: die Begleitung, Fortbildung und geistliche Gemeinschaft der Mitarbeiter/innen, Glaubenskurse anzubieten, zuletzt auch zusammen mit der christlichen Gemeinschaft, familienfreundliche Gottesdienste und die Finanzierung der Gemeinde auf breite Füße zu stellen, z.B. mit der Einführung des Kirchgeldes. Für die Gemeinde in Dietlingen waren die letzten 15 Jahre bewegte Zeiten. In den bergangenen drei Jahren wurde ein Gemeindeentwicklungsprozess durchgeführt. Wichtig wurde dabei, junge Familien einzuladen, Kinder- und Jugendarbeit aufzubauen, die Konfirmandenarbeit zu stärken, die Mitarbeiter/innen in diesem Bereich auszubilden, zu stärken und zu begleiten. Ein weiterer Punkt sind Angebote für junge Menschen und in diesem Zusammenhang auch die Kirchenmusik moderner zu gestalten und dafür die Voraussetzungen zu schaffen. Es ist ein Team entstanden, das einen geistlichen Faden zieht durch die Gruppen und Kreise. Die Finanzierung der Gemeinden geschieht durch die sogenannte Kirchensteuerzuweisung, ein weiterer Teil wird durch Spenden erzielt. Die Evangelische Kirche ist eine Volkskirche, eine Kirche für alle. Für alle die, die sich zur Gemeinde dazu gehörig fühlen, die zu den Gottesdiensten kommen oder in irgendeiner Form am Gemeindeleben aktiv teilnehmen. Und auch für Menschen, die punktuell in bestimmten Situationen eine Begleitung durch Kirche wünschen oder brauchen; das ist vor allem bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen der Fall. Das ernst zu nehmen und immer wieder auch zu schauen ist ein ganz wichtiger Teil unserer Arbeit als Gemeinde und als Pfarrer und das gehört dazu, dass wir als Evangelische Kirche Volkskirche sind.

Das Katholische Leben endete in Keltern mit der Reformation und erhielt einen Neuanfang nach dem 2. Weltkrieg als viele Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten die Gemeinde Hl. Familie gründeten. So skizzierte Pfarrer Mette von der Katholischen Gemeinde den geschichtlichen Werdegang. 1955 wurde die Kirche in der Bachstraße eingeweiht, im Jahr 2001 das Gemeindezentrum gebaut. Die Katholische Gemeinde Keltern ist keine eigene Pfarrgemeinde, sie bildet zusammen mit den beiden Pforzheimer Gemeinden St. Antonius und St. Bernhard die Seelsorgeeinheit Pforzheim West. Aufgrund des Priestermangels wird es im Jahr 2015 nur noch eine Katholische Gesamtgemeinde in Pforzheim geben, zu der dann auch die Gemeinde Hl. Familie Keltern gehören wird – mit einer Verwaltung, einem Pfarrgemeinderat usw. Wichtig ist bei all dem aber, dass „die Kirche im Dorf bleibt“, d.h. dass die Gemeinde auch noch ein eigenes Gemeindeleben hat. Die Katholischen Gemeinden haben als Grundstruktur drei Grunddienste, die über verschiedene Gruppen und Einrichtungen mit Leben gefüllt werden sollen: Diakonia (Dienst an den Schwachen), Liturgia (Gottesdienst) und Martyria (Verkündigung). Zur Diakonia gehören u.a. die Sternsinger-Aktion, Spendenaktionen, die Caritas und die Besuchsdienste, zur Liturgia beispielsweise die Erstkommunion und die verschiedensten Gottesdienste.

Pastor Martin Lutzweiler konnte zwar mit der langen Tradition der großen Kirchen nicht mithalten, allerdings gibt es die Christlichen Freikirchen auch schon seit etwa 100 Jahren. Er erläuterte zunächst, was Evangelische Freikirche bedeutet und welche Frömmigkeit und Glauben ihr zugrunde liegen und später dann konkret, wie sich die Christliche Gemeinschaft Ellmendingen heute darstellt. Freikirchliche Bewegungen gibt es bereits seit dem Mittelalter. Später dann der Methodismus und der Pietismus als Erweckungsbewegung. Baptisten Anfang des 19. Jahrhunderts und ab dem 20. Jahrhundert der christliche Gemeinschaftsverband Mühlheim a. d. Ruhr, sozusagen als die erste Pfingstkirche in Deutschland. Inzwischen heißt er Mühlheimer Verband Freikirchlicher Gemeinden,  zu dem auch die Christliche Gemeinschaft Ellmendingen zählt. Der Verband ist Mitglied in der ACK, die das gemeinsame Glaubensbekenntnis – das Apostolikum - miteinander verbindet. Schon seit 1933 ist ein ganz wichtiges Standbein der Gemeindearbeit in Ellmendingen der parallel zum Gottesdienst stattfindende Kindergottesdienst. Gerade die Kinder- und Jugendarbeit ist ein ganz starker Schwerpunkt der Gemeindearbeit. Heute besuchen etwa 60-80 Kinder den sonntäglichen Kindergottesdienst. Darüber hinaus gibt es die Teenie-Kreise mit biblischem Unterricht, der ab dem Alter von 14 Jahren nach einer bewussten Entscheidung zur Taufe führen kann. Seit 2011 gibt es die Royal Rangers (Pfadfinder) mit inzwischen 60 Kindern und Jugendlichen. Rechtlich strukturiert ist die Gemeinschaft als e.V. mit aktuell 200 Mitgliedern, dazu kommen noch etwa 100 -150 Freunde und Gäste und ca. 100 Kinder unter 14 Jahren. Der Gottesdienstbesuch liegt bei ca. 200 Erwachsenen und 50-60 Kindern. Als Personalangestellten gibt es einen Pastor (Martin Lutzweiler) (100%) und einen Jugendreferenten (50%). Die Gemeinde lebt auch vor allem von dem großen, ehrenamtlichen Engagement der Mitarbeiter/innen. Die Finanzierung geschieht ausschließlich über Spenden. Gute Tradition seit vielen Jahrzehnten ist, dass 10% der Spenden weitergegeben werden an diakonische und missionarische Einrichtungen und Werke. Das Motto der Gemeinde ist: Die Freundlichkeit Gottes erleben, Begegnungsfelder schaffen für jung und alt, nicht nur innerhalb der Gemeinde sondern auch über die Gemeindegrenzen hinaus. Es ist eine Gemeinde aller Generationen, gleichmäßig verteilt. Das Kernanliegen: Einladen zum Glauben und Hinkehr zu Gott, die Glaubensbeziehung zu Gott. Die Gemeinden der Christlichen Freikirchen sind im Gottesdienst nicht an eine Liturgie oder bestimmte Formen gebunden. Dankbar ist Pastor Lutzweiler für die Vielfalt, die innerhalb der Gemeinde da ist.

Für die Evangelisch Lutherische Kirchengemeinde Sperlingshof sprach Pfarrer Jürgen Meyer. Das Jahr 1821 ist auch für seine Konfession ein ganz wichtiges Datum. Damals haben die Generalsynoden der Lutheraner und der Reformierten Kirche in Karlsruhe beschlossen, eine Vereinigte Evangelische Unierte Kirche im Großherzogtum Baden einzuführen. Der Oberkirchenrat war damals dem Innenministerium zugeteilt. Maßgebliche Akteure waren zu der Zeit die „sieben Aufrechten“, zu denen Alois Henhöfer gehörte. Eine ebenso wichtige – wie auch streitbare - Rolle spielte der Pfarrer und Prediger Georg Friedrich Hahn. Viele Menschen in Ispringen und den Nachbargemeinden wollten ihrem Lutherischen Bekenntnis trotz aller staatlichen Strafmaßnahmen treu bleiben. Das Ganze spielte sich etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts ab. Pfarrer Haag, der zwischenzeitlich des Landes verwiesen war, kehrte 1862 zurück, kaufte den damaligen Sperlhof und richtete dort einen Kirchenraum ein. Die Menschen strömten wieder zu ihm und die Gemeinde wuchs und blühte. Seit 1972 gehört die Gemeinde zur Selbständigen Evangelisch Lutherischen Kirche (SELK) Deutschland. Eine Kirche, die es bundesweit gibt, die sich weitreichend aus Beiträgen und freiwilligen Spenden ihrer Gemeindeglieder unterhält. Etwa 120 Pfarrer gibt es in Deutschland. Das Oberhaupt der SELK ist ein Bischof, mit Sitz in Hannover. Darunter gibt es vier Pröbste, die vier Sprengel leiten (Nord, Süd, West, Ost). Kirchenbezirke werden von nebenamtlichen Superintendenten geleitet. Pfarrer Meyer betonte, dass die SELK extrem basisdemokratisch sei. Das entscheidende Gremium in den Gemeinden ist die Gemeindeversammlung. Die wird einberufen und dazu wird eingeladen. Und wenn diese ordnungsgemäß einberufen wurde, ist sie beschlussfähig, egal wie viele Mitglieder kommen. Sie entscheidet z.B. über den Haushalt. Diese Gemeindeversammlung findet zweimal im Jahr statt. Relativ eigen für die SELK sind auch die sehr liturgisch geprägten Gottesdienste. Sie nennen den Gottesdienst auch: Lutherische Messe, und zwar ganz bewusst. Die Kirche denkt sehr sakramental. Gottesdienste sind Audienzen bei Gott. Gottesdienste werden gefeiert in der Gegenwart Gottes. Beim Abendmahl ist Christus leibhaft gegenwärtig, in der Gestalt von Brot und Wein ist der Herr gegenwärtig. Ein Problem für die Gemeinde des Sperlingshofes ist, dass dieser sehr ungünstig außerhalb des Ortes gelegen ist. Das hat ganz viel mit dem Kinder- und Jugendheim zu tun, das heute ein Heilpädagogisches Kinder- und Jugendhilfezentrum ist. Die Gemeinde wollte das Kinderheim nicht im Stich lassen und ist dort geblieben. Das "Aushängeschild" ist der Posaunenchor mit ca. 25 Bläser/innen. Kinder- und Jugendarbeit ist für die Gemeinde schwierig, da der CVJM in Wilferdingen in diesem Bereich sehr gute Arbeit leistet und es die Kinder und Jugendlichen in Wilferdingen dorthin zieht.

Im anschließenden Gespräch gab es neben vielen anderen Fragen auch die Anfrage eines der zahlreich erschienenen Gemeindevertreter der politischen Gemeinde Keltern nach einer Zusammenarbeit bei der zu erwarteten Zuweisung von (syrischen) Füchtlingen an die Gemeinde Keltern, die von ihnen ausdrücklich gewünscht wird. Frau Lieb konnte daraufhin bestätigen, dass die Kirchengemeinden sich ihrerseits diesbezüglich auch schon Gedanken gemacht hat und an Bürgermeister Bochinger eine Zusammenarbeit – auch schon im Vorfeld – signalisiert hat.

 



 

 


Kirche(n) in Keltern
 - Die Gemeinden der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Keltern stellen sich vor

Mittwoch, 02. Juli 2014, 20.00 Uhr, Katholisches Gemeindehaus Dietlingen, Bachstr. 8


Podium:

Martina Lieb, Pfarrerin
- für die Evangelischen Kirchengemeinden in Keltern
Dr. Johannes Mette, Pfarrer
- Katholische Kirchengemeinde Keltern
Martin Lutzweiler, Pastor
- Christliche Gemeinschaft Ellmendingen
Jürgen Meyer, Pfarrer
- Evangelisch Lutherische Kirchengemeinde Sperlingshof

Kennen Sie die Kirchengemeinden in Keltern? Wissen Sie, wie die einzelnen Gemeinden „funktionieren“, wie sie organisiert sind, welche Gruppen es gibt, was für Aktivitäten stattfinden und welche Aufgaben die Kirchengemeinden für die Gesellschaft übernehmen?

Das Kelterner Forum bietet mit einem Podiumsgespräch die Möglichkeit, die Kirchengemeinden der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Kelterns näher kennen zu lernen. Die Repräsentanten der Gemeinden werden auf die geschichtliche Entwicklung eingehen und erläutern, wie sich die Gemeinden heute darstellen.

Die Vertreter/In berichten u.a. über das Selbstverständnis Ihrer Gemeinde und was sie als deren Auftrag ansehen. Ebenfalls zur Sprache kommen die Schwerpunkte in der Gemeindearbeit sowie die Ziele und Visionen. Es geht auch darum, was sie unterscheidet und welche Gemeinsamkeiten es gibt.

Insbesondere freuen sich die Podiumsteilnehmer/in auf Ihre Fragen, Ihre Kritik, Ihre Anregungen und Ihre Meinung.

Wenn Sie also mehr über ihre eigene oder die anderen Kirchengemeinden und Gemeinschaften erfahren möchten, haben Sie an diesem Abend die Möglichkeit dazu. Sie sind herzlich eingeladen, sich im Anschluss an die Ausführungen der Gemeindevertreter/In mit Fragen und Wortbeiträgen einzubringen.

Links:


3SAM, Kirchengemeinde Ellmendingen | Dietenhausen | Weiler

Evangelische Kirchengemeinde Keltern-Dietlingen

Seelsorgeeinheit Pforzheim West

Christliche Gemeinschaft Ellmendingen

Dreieinigkeitsgemeinde Sperlingshof