Kindersoldaten in Uganda - Rückkehr ins Leben

Dienstag, 28. Juli 2009, 20.00 Uhr,  Albert-Knapp-Haus in Ellmendingen

Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit dem Versöhnungsbund durchgeführt


Referentin: Beatrice Amony

Versöhnungsbund Uganda / Peace and Development Foundation Africa

Frau Beatrice Amony hat in den letzten Jahren Programme und Initiativen zur Wiedereingliederung von Kindersoldaten entwickelt. In der  Region Acholi, im Norden von Uganda, wütete der Bürgerkrieg mehr als 20 Jahre. Die Rebellen raubten bei Überfällen Kinder, vor allem aus Dörfern. Im abgelegenen Busch wurden sie dann zu brutalen Kämpfer/Innen dressiert. Die Mädchen wurden oft missbraucht. Abgrundtiefer Hass und Feindschaft, auch untereinander, wurde in ihre Herzen gepflanzt. Diejenigen, die nach Jahren, jetzt als Jugendliche,  zurückgekehrt sind, leiden unheimlich unter ihrer Vergangenheit, haben oft schwere Depressionen und Traumata. Und das Schlimmste, sie werden in ihre Dorfgemeinschaften nicht mehr aufgenommen.

In dem vom Staat eingeleiteten Prozess der Demobilisierung (Waffensammeln)und Reintegration der „Kämpfer“, werden die psychischen Schäden nicht bedacht. Deshalb ist dies im Programm von Beatrice Amony ein Schwerpunkt geworden. Weiter führt sie Trainings zu einem „Gewaltfreien Lebensstil“ durch und ihre Organisation macht Schul- und Berufsausbildungsangebote. Stark interessiert ist sie an Vernetzungen und Partnerschaften  zu Jugendlichen in Deutschland

Die Referentin kann ein anschauliches Bild der Kriegsschrecken und deren Auswirkungen, insbesondere auf junge Menschen, schildern. Und durch ihr Engagement zeigt sie uns, wie tief Verletzte und Leidende noch eine Zukunft haben können.

Frau Amony spricht Englisch, sie wird begleitet und übersetzt von Miriam Klemm.

Wer die Arbeit durch eine bescheinigte Spende unterstützen will, kann dies über das Versöhnungsbundkonto Nr. 40090672 bei der  Sparkasse Minden, BLZ 49050101, Stichwort „Kindersoldaten“, tun.

Die Bilder zeigen zum einen Beatrice Amony mit ihrer Freundin Miriam und zum anderen Pfarrer Dieter Henninger vom Vorstand des Versöhnungsbundes mit Clemens Ronnefeldt, dem Referenten unseres letzten Veranstaltungsabends zum  Israel Palästina Konflikt

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Kindersoldaten in Uganda - Rückkehr ins Leben

Vortrag von Beatrice Amony, Peace and Development Foundation Africa, am 28.07.2009

Als Yoweri Musevenisich sich 1986 mit seiner Widerstandsarmee in Uganda an die Macht kämpfte, begann ein 20 Jahre andauernder Bürgerkrieg. Zunächst wurden die Rebellenbewegungen wie die Lord's Resistance Army (LRA) von der Bevölkerung unterstützt. Als sich ihre Situation aber nicht – wie von den Rebellen versprochen –verbesserte, wurde die Unterstützung verweigert.

Daraufhin verschleppt die LRA in Nord-Uganda rund 25.000 Kinder und Jugendliche, für die damit ein unglaubliches Martyrium beginnt. Sie werden unter unmenschlichen Bedingungen zur Arbeit gezwungen und zum Töten "ausgebildet". Schon bald nach ihrer Entführung zwingen die Rebellen die Kinder zum Morden. Um Ihnen den Weg in ihr Dorf zurück abzuschneiden, müssen sie häufig sogar enge Familienmitglieder und Dorfbewohner umbringen. Versucht ein Kind zu fliehen und wird erwischt, werden andere Kinder oftmals gezwungen, es zu töten. Mädchen werden vergewaltigt und als Sexsklavinnen missbraucht.

Nach dem Waffenstillstand 2006 kamen 12.000 der Entführten traumatisiert zurück. Die vergewaltigten Frauen mit Kindern, deren Väter sie nicht kennen. Sie alle haben Angst, in ihre Dörfer zurückzukehren, denn sie wissen, welche Greueltaten sie begangen haben – begehen mussten. Beatrice Amony, die ein Diplom in Drama, einen Masters in Entwicklungs-Studien und ein Postgraduate Diplom in Friedens- und Konfliktforschung hat, sah die Not der Menschen und beschloss, Ihre ganze Kraft einzusetzen, diesen zu helfen. Sie entwickelte zusammen mit der „Peace and Development Foundation“ ein dreistufiges Projekt zur Rückführung der Traumatisierten ins Leben und zur Rückkehr in ihre Dörfer; denn nur dorthin können sie zurück.

Am Anfang des Programms steht eine psychosoziale Therapie. Mit Sport, Tanz und verschiedenen Aktivitäten lernen die Zurückgekehrten sich ein Stück weit frei zu machen von den Erlebnissen. Im zweiten Schritt folgt ein gewaltfreies Konflikttraining. Die ehemaligen Kindersoldaten sollen lernen, wie man Alltagskonflikte ohne Gewalt lösen kann. Gleichzeitig wird die Rückkehr und Resozialisierung in das Heimatdorf mit Hilfe von traditionellen Stammesritualen vorbereitet. Im dritten Schritt erhalten die TeilnehmerInnen eine Ausbildung als Schreiner, Maurer, Koch, Bäcker oder in Landwirtschaft. Zum Abschluss bekommen sie Werkzeuge ihres jeweiligen Berufes mit, damit sie in der Lage sind, diesen auch auszuüben. Das ist der kostspieligste Teil des Projektes.

Insgesamt haben 1.200 ehemalige Kindersoldaten dieses Programm durchlaufen. Voraussetzung für die Aufnahme ist ein Amnestie-Zertifikat von Amnesty International und die Tatsache, dass die Menschen nicht zu stark traumatisiert sind.

Mit ihrer Reise durch Deutschland möchte Beatrice Amony auf die Problematik aufmerksam machen. Sie setzt sich persönlich mit ihrer ganzen Kraft für dieses Projekt ein und arbeitet darüber hinaus seit einem Jahr ohne Bezahlung, weil das Geld fehlt. Um noch möglichst vielen Betroffenen die Chance zu geben, durch das Programm von Beatrice Amony ins Leben zurückzufinden und wieder in ihr Dorf integriert zu werden, sind die Organisatoren auf unsere Unterstützung angewiesen. Spenden mit dem Stichwort „Kindersoldaten“ leitet der Internationale Versöhnungsbund (Konto 40 090 672, BLZ 490 501 01 bei der Sparkasse Minden) weiter.

Im April 2010 wird ein sogenannter GuluWalk in Berlin stattfinden, bei dem an die getöteten Kinder des Konfliktes in Uganda erinnert und die Solidarität mit den Zurückgekehrten und deren Re-Integration in ihre Dörfer bekundet werden soll. Schirmherr ist Bundespräsident Horst Köhler.

Miriam Klemm, Beatrice Amony, Pfarrer Hemminger BesucherInnen im Albert-Knapp-Haus
Unterricht im Freien, Rollenspiele Mal-Therapie
Ausbildung zum Schreiner Visitenkarte Beatrice Amony