"Christenverfolgung im 21. Jahrhundert "
 - Hintergründe zur globalen Christenverfolgung und ihre Auswirkungen

Dienstag, 24. September 2013, 20.00 Uhr,  Oberlinhaus*, Dietlingen



Bericht vom Abend


„Das wichtigste und dringlichste Anliegen hier in Deutschland ist es, Christen aller Kirchen und Konfessionen darüber zu informieren, wie es Christen in anderen Ländern geht“, so Ado Greve von Open Doors vor einem voll besetzten Saal im Oberlinhaus.


Wer ist Open Doors?

Open Doors ist ein überkonfessionelles christliches Hilfswerk, das in mehr als 60 Ländern verfolgten Christen beisteht. Es wurde vor 58 Jahren von dem Holländer Arne van de Biel, bekannt als Bruder Andrew, gegründet, der damals Bibeln hinter den Eisernen Vorhang schmuggelte. Bereits vor dem Fall des Eisernen Vorhangs konzentrierte sich Open Doors auch auf die muslimischen Staaten.

Open Doors ist ein eingetragener Verein, der sich allein aus Spendengeldern finanziert. Die Organisation unterstützt die christlichen Gemeinden in den Verfolgungsstaaten, damit sie in dem Land „ihrem ursprünglichen Auftrag nachkommen können, nämlich Zeuge Jesu Christi in dem jeweiligen Land zu sein“. Beispielhaft für die Unterstützung sind folgende Aktivitäten:

  • Unterstützung einer Organisation in Ägypten, die im letzten Sommer Kinderfreizeiten für etwa 260.000 Kinder durchgeführt hat
  • Unterstützung von Gemeinden mit finanziellen Mitteln, damit diese im Land Waren kaufen können, und über Partnerorganisationen im benachbarten Ausland zur Versorgung mit medizinischer Hilfe, mit Nahrung, mit Unterkunft und sogenannten „Non Food Items“
  • Hilfen für bedürftige Familien
  • Übernahme des Schulgeldes von Kindern in Nigeria, deren Väter ermordet wurden
  • Finanzielle Hilfe zum Wiederaufbau von Kirchengebäuden und Bibliotheken, die niedergebrannt wurden
  • Ausbildung von Menschen zu geistlichen Leitern von Hausgemeinden
  • Unterstützung von Alphabetisierungskursen

In der „westlichen Welt“ unterhält Open Doors Büros in etwa 30 Ländern. Hier ist das Ziel, über die Verfolgung von Christen zu informieren sowie Medien und Politik mit gut recherchierten und belastbaren Zahlen zu versorgen, z.B. über die Erstellung des Weltverfolgungsindexes. Ein ganz wichtiges Anliegen ist auch, immer wieder zum Gebet für die verfolgten Christen aufzurufen.

Warum, gibt es diese Christenverfolgung?

Neben machtpolitischen, wirtschaftlichen, ethnischen und kriminellen Gründen ist die Christenverfolgung laut Referent in erster Linie ein geistlicher Kampf. Das größte Problem sei die Radikalisierung der Bevölkerung, die in allen islamischen Staaten in den letzten Jahren ganz gewaltig zugenommen habe. Noch vor 10 oder 20 Jahren hätten Christen und Muslime überwiegend friedlich miteinander gelebt. Aber auch in Staaten mit anderen Religionen, wie z.B. im hinduistischen Indien (Bundesstaat Orissa) und dem buddhistischen Laos werden Christen verfolgt, insbesondere dann, wenn Menschen zum christlichen Glauben übertreten. Schlimm ist die Verfolgung aber vor allem auch in Nordkorea.

Aktuelle Situation in islamischen Staaten

Ado Greve berichtete über die Art und Weise der Verfolgung in den verschiedenen Staaten. Er machte an konkreten Beispielen deutlich, wie Christen drangsaliert, bedroht, angegriffen, ihre Häuser niedergebrannt und sie getötet werden. Er schilderte die aktuelle Situation in Pakistan, u.a über den vor einigen Tagen verübten Anschlag auf eine Kirche. Ein Filmbeitrag informierte über den Bürgerkrieg in Syrien und die Folgen für die Christen. Hunderttausende haben das Land verlassen, darunter auch viele Christen. Für Open Doors ist es aber wichtig, die Kirche dort in diesen Ländern zu stärken, dass die Christen im Land bleiben können.

Zum Ende seines Vortrages rief Ado Greve nochmals zum Gebet für die verfolgten Christen auf, weil wir "sie so ganz nah an uns heranlassen können". Dazu gibt es von Open Doors Gebetskalender, in denen es für jeden Tag ein Gebetsanliegen gibt, zu dem die Situation kurz beschrieben wird. Der Gebetskalender kann kostenlos bei Open Doors bestellt werden.

Mission, Evangelisierung

Im Gesprächsteil des Abends wurde dann u.a. auch die Frage nach Mission und Evangelisierung erörtert. Es gab die kritische Anfrage, ob nicht die Missionierung das Problem sei und wir nicht stattdessen die anderen Religionen tolerieren und akzeptieren sollten. Ado Greve sieht dagegen den wichtigsten Auftrag Jesu an uns in der Verkündigung des Evangeliums und in dem Augenblick, wo wir das nicht mehr tun, ließen wir den Auftrag der Kirche außer Acht. Er stimmte der Schlussfolgerung zu, dass dies allerdings auch zur Folge hat, dass ein Ende der Verfolgung nicht abzusehen ist und verwies darauf, dass dies auch beim Entstehen der ersten Gemeinden bereits so war.

Von Seiten der Besucher wurde darauf hingewiesen, dass missionarische Bemühung sehr oft auch die Tendenz habe, einen anderen Glauben herabzusetzen und dadurch Menschen, die diesem Glauben angehören, verletzt würden. Und es wäre zu überlegen, ob wir Mission nicht so verstehen könnten, dass auch das Bemühen klar wird, die Religion der anderen Seite zu verstehen und auch zu verstehen, warum die diesen Menschen so wichtig ist und warum sie diesen Glauben schätzen. So dass dann ein verständnisvolles und wertschätzendes Gespräch entsteht, was nicht verletzt. Ado Greve merkte an, dass Open Doors in fast allen Ländern, in denen sie arbeiten, Dialog-Plattformen mit allen anderen Religionen betreiben.

Moderator G. Wacker dankte dem Referenten, dass er einen eindrucksvollen Einblick in die Situation der verfolgten Christen gegeben habe. Er unterstrich noch einmal die Wirkung des Gebets, das es für die Betroffenen aber auch für uns selbst hat, und er bat auch für diejenigen zu beten, die sich radikaliseren und zu solchen Taten hinreißen lassen, ganz im jesuanischen Geist.

Auch nach dem offiziellen Veranstaltungsende gab es Gespräche in kleineren Gruppen. Die Besucherinnen und Besucher spendeten an diesem Abend großzügig, so dass ein Betrag von mehr als 500 EUR an Open Doors überwiesen werden konnte.








Christenverfolgung im 21. Jahrhundert

Dienstag, 24. September 2013, 20.00 Uhr,  Oberlinhaus*, Dietlingen


*evangelisches Gemeindehaus

Referent:

ADO Greve

- Open Doors, Referent für Öffentlichkeitsarbeit

 

Schätzungsweise 100 Millionen Christen werden weltweit aufgrund ihres Glaubens verfolgt, alarmiert das überkonfessionelle christliche Hilfswerk Open Doors. Christen sind damit die am meisten verfolgte Glaubensgruppierung. Über Hintergründe, Brennpunkte und wie sich Verfolgung auf Kirchen und Gemeinden auswirkt, auch welche Hilfe Christen in einem feindlich gesinnten Umfeld dringend benötigen, berichtet Open Doors mit einem Film- und Bildvortrag.

Jedes Jahr ermittelt Open Doors den „Weltverfolgungsindex“. Damit wird das Ausmaß von Verfolgung und Diskriminierung von Christen in aller Welt erfasst und dokumentiert. Diese Rangliste informiert, in welchen Ländern Christen am stärksten verfolgt und diskriminiert werden. Erstellt wird der Index von einer internationalen Expertengruppe in Zusammenarbeit mit den Christen der betroffenen Länder. Der Vortrag mit Blick auf die Brennpunktländer zeigt, dass Verfolgung viele Gesichter hat. Ebenso vielfältig sind die Gründe, warum Christen ihres Glaubens wegen leiden und bedrängt werden. In totalitären Regimen gelten sie als Staatsfeinde. Nationalisten sehen in den wachsenden christlichen Gemeinden eine Bedrohung für ihr Land. Christen muslimischer Herkunft müssen sich vor religiösen Fanatikern und ihrer eigenen Familie verstecken.

Open Doors unterstützt seit fast sechs Jahrzehnten verfolgte Christen in mehr als 50 Ländern. Mit einer breiten Öffentlichkeitsarbeit informiert das Werk in Publikationen und mit Vorträgen über Christenverfolgung und ruft zu Gebet und Hilfe für verfolgte Christen auf.




    Weltverfolgungsindex - Open Doors



Links:

Open Doors

Weltverfolgundsindex

Ökumenischer Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit 2013

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte - UN (siehe Artikel 18)

Buchtipp: Volker Kauder - VERFOLGTE Christen